
(Quelle: aero.de)
BEIRUT – „Ernsthafter Eingriff in die Sicherheit der zivilen Luftfahrt“: Lufthansa folgt dem Einsatz von GPS-Spoofing in der Nahost-Krise mit Sorge – und schult Piloten für „potenziell kritische Situationen“. Ein aktueller Vorfall in Zypern zeigt, wie schnell Fake-Positionsdaten in die Bordsysteme sickern.
Von Adana im Süden der Türkei ist es nur ein kurzer Hüpfer über das östliche Mittelmeer nach Larnaka. Das schnurgerade Routing nach Zypern liegt eher an der Reichweitengrenze von GPS-Störsendern.
Piloten einer Bombardier Global Express schalteten die GPS-Empfänger auf dem Flug vorsorglich trotzdem ab – und konnten so eine neuartige Spoofingstrategie nachweisen, die Crews im Nahen Osten aktuell die Navigation erschwert. Über den Fall berichtet der Piloten-Informationsdienst „OpsGroup“.
Elektronische Kriegsführung ist ein Problem für die Luftfahrt. In den ersten Wochen des russischen Angriffs auf die Ukraine meldeten Piloten über der Ostsee mehrfach Ausfälle der Satellitennavigation. Die im Nahen Osten eingesetzen Systeme gehen weit über reine Signalverluste hinaus.
Als die Global-Piloten GPS-Inputs kurz für die Instrumente des Pilot Non-Flying zulassen, wird der Angriff im Display sichtbar (Bild).
„Das Nav-Display zeigt die gefakte GPS-Position mit dem Sternsymbol genau über dem Flughafen OLBA/Beirut an“, rekonstruiert die „OpsGroup“ den Vorfall. „Die Flugzeugposition wird jedoch – dank der Deaktivierung der GPS-Sensoren durch die Besatzung – korrekt über LCLK/Larnaca angezeigt.“
Ohne Deaktivierung der Sensoren wäre die Falschinformation wohl tiefer ins interne Navigationssystem gesickert – wie bereits bei anderen Flügen in der Region geschehen.
Laut „OpsGroup“ ist Beirut – wie Kairo, Bagdad und Tel Aviv – ein aktueller Spoofing-Hotspot. Lufthansa, die ab 15. Dezember zunächst wieder fünfmal pro Woche nach Beirut fliegen will, trägt dem Risiko von Außen kompromittierter Satellitennavigation nicht erst bei der Flugplanung Rechnung.
„Ernsthafter Eingriff in die Sicherheit“
„GPS-Spoofing ist ein ernsthafter Eingriff in die Sicherheit der zivilen Luftfahrt und eine Bedrohung für den sicheren Betrieb ziviler Flugzeuge“, sagte ein Lufthansa-Sprecher aero.de am Dienstag in Frankfurt. „Alle Piloten der Lufthansa Group sind für verschiedene potenziell kritische Situationen gut ausgebildet.“
Der Konzern hält sich zu genauen Taktiken im Umgang mit GPS-Spoofing bedeckt, versichert aber: „Wir analysieren regelmäßig die Risikosituation und leiten daraus entsprechende Maßnahmen für unsere Piloten ab.“
© aero.de 29.11.2023 06:32