A380-Start-up Global Airlines will bald abheben

(Quelle: aero.de)

Global Airlines Airbus A380, © Global Airlines

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LONDON – Wird Global Airlines bald tatsächlich mit Airbus A380 abheben – und damit alle Skeptiker staunend am Boden zurücklassen? Zumindest hat das Superjumbo-Start-up aus Großbritannien jetzt seine erste A380 abbezahlt. Und zugelassen ist sie auch. In Malta. Zweifel bleiben trotzdem.

Man mag uns als Berufsnörgler und Skeptiker verspotten – aber nein, so richtig überzeugt sind wir noch immer nicht. Nicht, dass wir uns nicht über eine neue A380-Airline freuen würden.

Aber was das britische Start-up Global Airlines um seinen Gründer und Chef James Asquith seit 2022 an PR in den Äther blies, klang in Summe einfach zu fantastisch, um jemals wahr zu werden.

Dennoch gilt unser Versprechen vom Sommer 2022 nach wie vor: Wenn jemals eine Global Airlines-A380 zu einem Passagierflug abheben sollte, werden auch wir staunend am Flughafenzaun stehen.

Tatsächlich sollten wir vielleicht vorsorglich die Kameraausrüstung checken, denn die Pläne von Global Airlines werden augenscheinlich konkreter – und zumindest scheinbar seriöser. So verkündete das Unternehmen jüngst, dass es die A380 mit der Werknummer MSN120 als erstes Flugzeug vollständig in sein Eigentum überführt habe.

Der Superjumbo war in seinem ersten Leben als B-6140 für China Southern Airlines unterwegs und steht seit Dezember 2022 auf dem Mojave Air & Space Port in den USA. Erste Wartungsarbeiten an dem abgestellten Vierstrahler sollen bereits erfolgt sein, einschließlich eines Triebwerkstestlaufs.

Ab sofort firmiert die 2012 gebaute A380 unter der maltesischen Kennung 9H-GLOBL – was schon allein deshalb bemerkenswert ist, weil maltesische Kennzeichen bisher stets nur drei Buchstaben hinter dem Länderkürzel umfassten, und keine fünf.

HiFly Malta als Betreiberin

Dass das britische Start-up mit seiner ersten A380 das Luftfahrtregister Maltas bereichert, hat aber abseits dieser Auffälligkeit einen konkreten Hintergrund. Denn den Betrieb des Doppelstock-Riesen wird Global Airlines vorerst nicht selber bewerkstelligen. Stattdessen soll dafür die Charter-Fluglinie und Lesingfirma HiFly Malta verantwortlich zeichnen.

Bei HiFly hat man Erfahrung mit gebrauchten A380, gehörte doch mit der 9H-MIP von Juli 2018 bis Dezember 2020 bereits eine A380 zur Flotte der Wet Lease-Spezialisten, die ursprünglich für Singapore Airlines gebaut wurde. Tatsächlich soll auch diese vergleichsweise alte Maschine, MSN006, in Zukunft für Global Airlines fliegen.

Aktuell ist die 9H-MIP jedoch noch in Tarbes-Lourdes in Frankreich eingelagert. Als Kuriosum am Rande darf gelten, dass Global Airlines die 9H-MIP bereits Ende Mai 2023 als “erstes Flugzeug” ihrer zukünftigen Flotte annoncierte – dieses Attribut nun aber stillschweigend an die Mojave-Maschine von China Southern weitergereicht hat.

Kein eigenes AOC

Wie dem auch sei: Mit dem Auslagern des Flugbetriebs an HiFly holt sich das Global Airlines-Management nicht nur praktisches Fachwissen ins Haus, sondern umschifft auf elegante Weise ein heikles Problem: Global Airlines benötigt so fürs Erste kein eigenes AOC, um abzuheben.

Einen Antrag auf Erteilung eines solchen Luftverkehrsbetreiberzeugnisses haben die Briten bei der Luftfahrtbehörde des Vereinigten Königreichs noch nicht gestellt, weshalb Beobachter zu Recht in Zweifel zogen, ob es das Start-up mit seiner Ankündigung, 2024 erste Flüge anzubieten, überhaupt ernst meint. Mit HiFly Malta als Partner erscheinen die Pläne von Global Airlines jedoch in einem anderen, etwas weniger schummrigen Licht.

Dennoch bleiben Fragen zum Businessplan der Briten offen. Bislang nämlich sprach man bei Global Airlines stets davon, die A380 auf Pendelflüge zwischen Großbritannien und den USA zu schicken. Dazu allerdings bräuchte es nicht nur ein, noch gar nicht beantragtes, britisches AOC, sondern auch die notwendigen Slots an A380-tauglichen Flughäfen – und natürlich die entsprechenden Gate-Plätze und Verkehrsrechte, um die Riesenjets abzufertigen.

Nichts davon dürfte für Global Airlines allerdings in Reichweite sein, zumindest nicht in Großbritannien. Und so verwundert es wenig, dass das Start-up bereits ein gutes Stück von der eigentlichen Ur-Idee abgerückt ist.

Statt wie geplant im Frühjahr 2024 den propagierten Linienbetrieb zu starten, will man nun erst Ende dieses Jahres abheben – und zwar nicht im Linien-, sondern vorerst nur im Charterverkehr. Der wiederum erwies sich mit der A380 selbst für die branchenerfahrene HiFly als wenig profitabel – wenngleich man die Corona-Krise als erschwerenden Faktor dort nicht außer Acht lassen kann.

Fragliches Geschäftsmodell

Ob sich mit weltweiten Kreuzfahrtzubringer- und Pilgerflügen allerdings gleich mehrere A380 – Global Airlines spricht von vier Maschinen – dergestalt füllen lassen, dass das Unterfangen für alle Beteiligten Gewinn abwirft, scheint auch ohne Corona mehr als fraglich. Fraglich bleibt überdies, was von den vollmundigen Erklärungen übrig bleibt, Global Airlines werde “das goldene Zeitalter des Reisens” zurückbringen und in den Kabinen ihrer A380 Luxus für jedermann anbieten.

Abseits groß angekündigter Partnerschaften – etwa mit dem Champagner-Produzenten Laurent-Perrier – hatte Global Airlines hierzu bislang wenig Substantielles zu erzählen. Auf der Global-Website erfährt man inzwischen immerhin, die Kabinen sollen “ungefähr 471 Sitze” in drei Klassen aufweisen. Weitere Details zum Layout gibt es nicht.

Andererseits nannte das Start-up Ende 2023 die bekannte britische Agentur Factorydesign als Partner für die Gestaltung der A380-Kabinen. Für den Innenausbau selbst hat man die litauische Wartungsfirma JETMS ins Boot geholt, die derlei Arbeiten jedoch bisher “nur” an Businessjets bis hin zur Embraer Legacy ausführte.

Wie sieht die Kabine aus?

Ob Global Airlines inzwischen tatsächlich Sitze und anderes Interieur bestellt hat – und wenn ja, wo genau – ist unklar. Dem Start-up zufolge könnten die ersten Flüge mit einer “Version 1”-Kabine stattfinden, bei der nur kosmetische Arbeiten vorgenommen werden. Später zur Flotte stoßende A380 sollen dagegen eine komplett neue Vollversion des Interieurs erhalten.

Zumindest die künftige 9H-GLOBL könnten die Briten theoretisch auch mit gegenwärtiger Kabine (und damit 506 Plätzen) auf die Reise schicken. Wenngleich sich Passagiere den Luxus der “goldenen Zeiten des Reisens” dann wohl mithilfe des Champagners herbei halluzinieren müssten.

Jede größere Änderung einer vorhandenen A380-Kabinenbestuhlung, etwa der Einbau neuer Sitztypen oder auch nur veränderte Sitzabstände, kann schnell sehr aufwändig werden, falls dafür die maßgeschneiderten Fußbodenträger und Kabelbäume und deren Halterungen geändert werden müssten. Air France hatte seinerzeit ihre schnelle A380-Ausmusterung mit den hohen Kosten eines sonst anstehenden Kabinen-Updates begründet.

Im Übrigen bleibt Global Airlines offiziell bei ihrem Ziel, langfristig Linienflüge von Großbritannien aus anzubieten. Der “ultimative Plan” sei weiterhin, ein britisches Luftverkehrsbetreiberzeugnis zu erwerben, heißt es. Die Arbeiten dafür seien “im Gange”.

Einen konkreten Zeitplan dafür nennt Global Airlines allerdings nicht. In einer Presseerklärung schreiben die Briten lediglich, man prüfe diesbezüglich “eine Reihe von Möglichkeiten” und führe “regelmäßig Gespräche mit allen relevanten Gremien über unsere längerfristigen Pläne”. Es bleibt also spannend…

© FLUG REVUE – Patrick Zwerger Abb.: Global Airlines

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