(Quelle: flugundzeit)

„I am starting to have personnel troubles“ textet Amelia Earhart in einem Telegramm aus Kalkutta an Ihren Ehemann George. Personnel troubles war das Code Wort für einen Alkohol-Rückfall ihres Navigators Fred Noonan.

George, der den Rekordflug von der Ferne akribisch verfolgt, entgegnet energisch: „Stopp deine Flugreise sofort und geh kein Risiko ein.“

Die Route, die Amelia Earhart 1937 für ihren Versuch, die Welt von Westen nach Osten zu umrunden, ausgearbeitet hatte. Beginnend in Oakland, Kalifornien, plante sie Zwischenstopps zum Auftanken an den mit Punkten markierten Orten. Die Quadrate markieren Orte, an denen Earhart während ihres Fluges außerplanmäßig landete.

„Ich muss nur noch einen schlechten Flug (one bad hop) überstehen und ich komme mit der Situation klar“, gibt sie zurück. 

In Lae, Papua-Neuguinea, dem letzten Stopp vor ihrem Verschwinden auf dem Flug zur Insel Howland, textet sie erneut in einem Telegramm von „Personnel trouble.“ Sie bleibt trotz guten Flugwetters zwei weitere (ungeplante) Tage am Boden vor dem Abflug. Der dann bei starkem Gegenwind erfolgte, was die präzise Navigation zusätzlich erschwerte.

George will erneut, dass sie ihr Flugvorhaben abbricht.

Sie schreibt zurück: Personnel is improving.

Auf dem letzten Foto vor ihrem letzten Flug gemeinsam mit Fred Noonan ist sie komplett von ihm abgewandt und hat ihre Arme verschränkt. Keine gute Ausgangssituation für ein Cockpit-Team auf einem derart anspruchsvollen Flugleg.

Nur noch ein weiterer Tankstopp nach der Insel Howland in Honolulu und die Erdumrundung wäre wieder an ihrem Abflugpunkt in Oakland, Kalifornien, erfolgreich beendet gewesen.

Noonan war ein ausgezeichneter Navigator auf Pan Am Clippern gewesen. Er war da sogar als Ausbilder für andere Navigatoren eingesetzt. Bis er wegen Alkoholproblemen entlassen wurde. 

Die Navigation nach Längen- und Breitengraden mit Hilfe von Sonne und Sternen mittels Oktant beherrschte Noonan nach Aussagen von Zeitzeugen in seinen Pan Am Zeiten perfekt. Genauigkeit war hier die Voraussetzung, kleinste Fehler und Unaufmerksamkeiten können sich bei einer längeren Strecke über Wasser und schlechter Himmelssicht wegen Wolken – wie auf dem Flug der Elektra nach Howland – verheerend auswirken. 

Die genaue Zeit muss bekannt sein. Ein Zeitfehler von vier Minuten entspricht einem Längengrad. Nur genau am Äquator entspricht ein Längengrad 60 Seemeilen. Also entspricht ein Zeitfehler von einer Minute 15 nautischen Meilen.

Noonan verwendete einen sogenannten Air Almanach zur genauen Positionsangabe der „Sterne“ (Celestial Objects) für jeden Tag, jede Stunde und jede Minute des Jahres. Irrt man sich beim Nachschlagen im Air Almanach um einen Tag, so ergibt das, vergleichbar mit dem Sonnenuntergang an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, einen anderen Wert. 

Beispiel einer Seite eines Nautical Almanachs aus dem Jahr 1995

Dass irgend etwas an der Navigation nicht stimmte, wusste man sehr bald nach dem Verschwinden der Lockheed Electra. Auch an Bord war dies vermutlich klar, denn die Positionsangaben stimmten nicht mit den Tatsachen überein: Da war kein Schiff am Meer zu sehen und keine Insel.

Das nächste Problem war der Funkkontakt zum Coast Guard Schiff Itasca. Earhart hatte auf die 75 Meter lange Schleppantenne (Trailing Antenne) an der Electra verzichtet, da diese technische Probleme bei den ersten Flügen bewirkte. So wurde in Miami als Ersatz eine kürzere Antenne montiert, die bei den ersten Flugstrecken keine Rolle spielte. Der 500 kHz Sender wurde nicht montiert, weil weder sie noch Noonan professionell morsen konnten. Erst auf dem entscheidenden letzten Flugleg stellte sich heraus, dass die gewählte Antennen Lösung nicht ausreichend gut funktionierte. Die Verständigung war schlecht und die Besatzung des Küstenwacheschiffes Itasca konnte keine Peilung erstellen, weil das Signal der Electra nicht stark genug war.

Earhart forderte mehrfach eine Peilung an, die das Schiff so nicht liefern konnte.

Amelia Earhart und Fred Noonan erreichten nie mit der Electra die Insel Howland. Die vielfache Rekordpilotin, eine der bemerkenswertesten Pilotinnen der Geschichte, verschwand 1937 über dem mittleren Pazifik. 

Bis heute, fast ein Jahrhundert später wurden weder die Leichen der beiden, noch das Flugzeug gefunden, was zu zahlreichen Spekulationen über ihr Verschwinden führte: Etwa, dass die beiden auf einer Insel abgestürzt sind und ihre Leichen von großen Krabben gefressen wurden. Forscher der in Pennsylvania ansässigen International Group for Historic Aircraft Recovery erklärten 2014, dass ein 1991 auf einem abgelegenen Pazifik-Atoll entdecktes Trümmerteil aus Earharts Flugzeug stammte. Ein Anthropologie-Professor an der Universität von Tennessee meinte 2018, dass Skelettteile, die 1940 auf der Nikumaroro-Insel im Westpazifik gefunden wurden, von Earhart stammten. 

Deep Sea Vision, ein Unternehmen für Meeresforschung mit Sitz in South Carolina, gab am Samstag bekannt, dass sie überzeugende Sonarbilder von Earharts Flugzeug auf dem Grund des Pazifiks aufgenommen hatten. Die 16-köpfige Crew  untersuchte dazu mit Hilfe einer unbemannten Hightech-Unterwasserdrohne zwischen September und Dezember 2023 mehr als 5200 Quadratmeilen des Meeresbodens.

Deep Sea Vision suchte nach dem vermissten Flugzeug anhand der Datumsgrenze-Theorie, die 2010 von der ehemaligen NASA-Mitarbeiterin und Pilotin Liz Smith aufgestellt worden war. Diese Theorie nimmt an, dass Noonan beim Überfliegen der Datumsgrenze vergessen hatten, den Kalender einen Tag zurückzustellen. Smith vermutet, dass Noonan sich bei der Navigation nach den Sternen verrechnete und vergaß, das Datum vom 3. Juli auf den 2. Juli zurückzusetzen, als sie die Datumsgrenze überflogen. Dies könnte zu einer Fehlberechnung der Himmelssterne geführt haben, so dass das Flugzeug 60 Meilen westlich seines geplanten Ziels flog.

Deep Sea Vision glaubt, dass ihr Sonarbild, das westlich von Earharts geplantem Landepunkt auf Howland Island entdeckt wurde, das vermisste Flugzeug darstellt.

Mit dem erfolgreichen Beenden des Rekordfluges wäre Earhart die erste Pilotin gewesen, die die Welt umrundet hat.

© Sonarbilder und Flugzeugskizze: Deep Sea Vision.

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